1741 Kurhannover versus Bremen Die Enthüllung des nachgebildeten Grenzsteins
Pressemitteilung vom 03.12.2010
(veröffentlicht In den Stadtteilausgaben-West des Weser-Kuriers und der Bremer Nachrichten am 13.12.2010, im Bremer Anzeiger am 08.12.2010, im Bremer Westen am 26.05.2011 und auf der Vegesacker Website http://www.vip-bremen-nord.de/Veranstaltungen/groepelinger-grenzstein.html)
Der Gröpelinger Grenzstein von 1743
Neuer Film der Geschichtswerkstatt Gröpelingen e.V.
Wieder einmal ist die Selbständigkeit Bremens in Gefahr! Der neue Film der Geschichtswerkstatt beschreibt nicht etwa die aktuelle politische Lage, sondern die Situation vor 270 Jahren. Im sogenannten Zweiten Stader Vergleich von 1741 muss Bremen wie so oft in seiner über 1000-jährigen Geschichte um seine Selbständigkeit kämpfen. Der Wunsch nach einer audiovisuellen Darstellung dieser historischen Begebenheit war im Zuge der Aufstellung einer Grenzsteinnachbildung im letzten Jahr entstanden. Angeregt durch die Initiativen der beiden Gröpelinger Pensionäre Helmut Kasten und Harry Schwarzwälder hatte der Stadtteilbeirat Gröpelingen am 30.11.2009 einen von der Bildhauerwerkstatt "Mauern öffnen e.V." nachgebildeten Grenzstein aus dem Jahr 1743 am Schwarzen Weg aufstellen lassen.
Das 10-minütige Video beschreibt zu Beginn den Konflikt zwischen der Freien Reichsstadt Bremen und seinem mächtigen Nachbarn, dem Kurfürsten von Braunschweig-Lüneburg, der als Georg II gleichzeitig König von England war. Die Interessen des Kurfürstentums, auch Kurhannover genannt, wurden auch auf europäischer Ebene vom ersten Minister und Geheimrat Georgs des Zweiten, dem Freiherrn Gerlach Adolf Freiherr von Münchhausen, einem Vetter des berühmten Lügenbarons, vertreten. Die Freie Reichsstadt hatte sich in den Jahrzehnten politischer Wirren nach dem 30jährigen Krieg eine größere Menge von Landbesitz außerhalb ihrer Stadtmauern angeeignet, was den erzürnten Nachbarn veranlasste, im Gegenzug die Selbständigkeit Bremens in Frage zu stellen. Der Film schildert mit trickanimierten Landkarten die aus den Verhandlungen resultierenden Gebietsverluste der Bremer und den Verlauf der neuen Grenzen. Bremen verlor u. a. Blumenthal und das gesamte Werderland mit den Ortschaften Mittelsbüren, Burg, Grambke und Oslebshausen. Auch Vegesack ging gebietsmäßig verloren. Die Bremer konnten sich aber die Kontrolle über den Hafen sichern. Im Blockland musste auf die Dörfer Wasserhorst, Niederblockland und Wummensiede verzichtet werden. Die neue Grenze zwischen Oslebshausen und Gröpelingen verlief entlang des heutigen Schwarzen Weges, parallel zur Heidbergstr. und dem Kammerberg, schloss die Harffsche Mühle auf dem heutigen Diako-Gelände ein und führte dann weiter zur Weser. Sie wurde ab 1743 mit 2,20 m hohen Grenzsteinen aus Oberkirchener Sandstein markiert. Die Grenzsteine waren nummeriert und trugen auf der einen Seite den Bremer Schlüssel und auf der anderen die gekreuzten Schlüssel des ehemaligen Erzbistums Bremervörde, das seit dem Ende des 30-jährigen Krieges erst zu Schweden und dann zu Kurhannover gehörte und jetzt "Herzogtum Bremen" hieß. Von den ursprünglich 15 Grenzsteinen sind heute nur noch wenige erhalten und befinden sich nicht mehr am Ursprungsort. Da die Grenzen im 19. Jahrhundert erneut verschoben wurden, verloren die Steinobelisken ihre Bedeutung und wurden zum Teil von Landwirten zur attraktiveren Gestaltung ihrer Hofeinfahrten verwendet. Im Video wird mit Hilfe von Luftaufnahmen des Internet-Providers GOOGLE auf die aktuellen Standorte dieser Steine hingewiesen.
Von der Bildhauerwerkstatt in der JVA zum Schwarzen Weg Helmut Kasten (l) und Harry Schwarzwälder